herr k., Di 2004-01-27 10:10

Zum Kommentieren II

Häufig sagt der Kommentar eher etwas über die Filter in der Wahrnehmung, Interpretation und Bewertung des Kommentierenden aus. Was im Filter hängenbleibt, bestimmt der Filter. Ungefilterte reine Anschauung, ein Teil des Ideals des hermeneutischen Verstehens, ist zwar denkbar, erreichbar dürfte sie nur annäherungsweise sein. Ein Begreifen jenseits der Begriffe setzt eine gewisse Achtung vor der erlebten Anmutungsqualität voraus.
Was die Philosophie am neugierigen Staunen des Kindes fasziniert, ist das naive und offene Befragen der Welt, da sich die Konzepte zur Einordnung und dem Verstehen genau dadurch entwickeln. Nicht umsonst gilt ein Erleben sekundärer Naivität als Voraussetzung philosophischen Fragens. Von der konzeptuellen Befangenheit unbefangen zu sein, setzt allerdings den Einschluß des Auszuschließenden voraus. Somit dürfte das Kommentieren, das um sich selbst weiß, sich im Einschließen ausschließt, diese Widersprüchlichkeit am ehesten aufheben können. Diese Haltung kennzeichnet für mich guten Journalismus im weiteren Sinne, sei es in den Medien oder in Weblogs.
Grenzziehungen wie diese wären dahingehend umzudefinieren, dass guter den schlechten Journalismus bedroht. Wünschen ist erlaubt.